Lernfeld 2: Buchführungsarbeiten durchführen
4 Lektionen • 6-Stufen-Modell • SKR 03
Ebene 1 – Auszubildende
Stand: März 2026
Lektion 2.1.1: Warum Buchführung?
Modul
2.1 – Grundlagen des Rechnungswesens
Lektion
2.1.1 – Warum Buchführung?
Ebene
1 – Azubi-Grundlagen
Dauer
15–20 Minuten
Voraussetzungen
Keine
Lernziel
Verstehen, warum Unternehmen Buch führen müssen und welche Regeln dabei gelten
SKR 03
– (Orientierungslektion, keine Buchungen)
SCHRITT 1
Fall
Lernprinzip: Case-Based Learning
INHALT DES FALLS
Mandantenfall: Tischlermeister Krause
Ihr Mandant Heinrich Krause betreibt eine Tischlerei als Einzelunternehmer. Er hat im vergangenen Jahr gut verdient, aber keine geordnete Buchführung geführt. Jetzt liegt ein Brief vom Finanzamt auf seinem Schreibtisch: Andr ohung einer Schätzung nach § 162 AO.Krause ruft in der Kanzlei an und fragt: „Was passiert jetzt? Und warum reicht es nicht, dass ich meine Belege in einem Schuhkarton habe?“
DIDAKTISCHE ANMERKUNG
Der Fall zeigt die Konsequenz fehlender Buchführung – nicht abstrakt, sondern als konkretes Problem eines Mandanten. Die Schätzung nach § 162 AO ist für Azubis ein einprägsames Bild: Das Finanzamt schätzt im Zweifel zu Ihren Ungunsten.
SCHRITT 2
Norm
Lernprinzip: Dual Coding, Elaboration
AUDIO-SEGMENT (NOTEBOOKLM)
Inhaltliche Vorgabe:
Buchführungspflicht nach Handelsrecht: § 238 HGB verpflichtet jeden Kaufmann, Bücher zu führen.
Buchführungspflicht nach Steuerrecht: §§ 140–141 AO – derivative Pflicht (wer nach HGB muss, muss auch steuerlich) und originäre Pflicht (Umsatz > 800.000 € oder Gewinn > 80.000 €).
Aufgaben des Rechnungswesens: Dokumentation, Information, Kontrolle, Planung.
Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB): Klarheit, Übersichtlichkeit, Vollständigkeit, Richtigkeit, Belegprinzip („Keine Buchung ohne Beleg“).
Dauer: ca. 3–4 Minuten. Tonfall: sachlich, direkt.
BEGLEITTEXT IN DER APP (KERNREGEL)
Merkregel: Buchführungspflicht
Jeder Kaufmann muss Bücher führen (§ 238 HGB).Steuerlich gilt: Wer nach Handelsrecht buchführungspflichtig ist, ist es auch gegenüber dem Finanzamt (§ 140 AO). Zusätzlich sind Gewerbetreibende ab 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn buchführungspflichtig (§ 141 AO).Grundsatz: Keine Buchung ohne Beleg.
SCHRITT 3
Warum
Lernprinzip: Elaborative Interrogation
Frage 1: Warum reicht es nicht, alle Belege einfach zu sammeln und am Jahresende dem Steuerberater zu geben?
Erwartete Antwortrichtung: Weil das Finanzamt eine laufende, geordnete Aufzeichnung verlangt. Eine nachträgliche Rekonstruktion aus losen Belegen erfüllt die GoB nicht – es fehlen Chronologie, Vollständigkeit und Nachprüfbarkeit.
Frage 2: Was bedeutet „Keine Buchung ohne Beleg“ für den Kanzleialltag?
Erwartete Antwortrichtung: Jeder Geschäftsvorfall braucht einen Nachweis – eine Rechnung, einen Kontoauszug, eine Quittung. Fehlt der Beleg, muss ein Eigenbeleg erstellt werden. In der Kanzlei prüfen Sie zuerst, ob alle Belege vollständig vorliegen.
Frage 3: Warum gibt es zwei Rechtsgrundlagen für die Buchführungspflicht (§ 238 HGB und §§ 140–141 AO)?
Erwartete Antwortrichtung: § 238 HGB ist handelsrechtlich – er schützt Gläubiger und Geschäftspartner. §§ 140–141 AO sind steuerrechtlich – sie sichern die Besteuerungsgrundlage für das Finanzamt. Zwei Zwecke, zwei Gesetze.
SCHRITT 4
Anwenden
Lernprinzip: Retrieval Practice
AUFGABE
Zurück zum Fall Krause: Der Tischlermeister hat im vergangenen Jahr 620.000 € Umsatz und 95.000 € Gewinn erzielt. Er ist als Einzelkaufmann im Handelsregister eingetragen.
Frage: Ist Krause buchführungspflichtig? Wenn ja – nach welcher Vorschrift?
ERWARTETE LÖSUNG
Lösung
Ja, Krause ist buchführungspflichtig – und zwar doppelt:1. Nach § 238 HGB, weil er als Kaufmann im Handelsregister eingetragen ist.2. Nach § 140 AO (derivative Pflicht), weil die handelsrechtliche Pflicht auf das Steuerrecht durchschlägt.Zusätzlich wäre er auch nach § 141 AO originär buchführungspflichtig, weil sein Gewinn (95.000 €) die Grenze von 80.000 € überschreitet.
UMSETZUNG IN DER APP
Multiple-Choice mit Mehrfachauswahl: Welche Vorschriften greifen? Checkboxen für § 238 HGB, § 140 AO, § 141 AO. Alle drei sind korrekt. Gamification: 15 Punkte bei vollständiger Antwort beim ersten Versuch.
SCHRITT 5
Variieren
Lernprinzip: Interleaving, Transfer
VARIATION A – KLEINGEWERBETREIBENDER
Variation: Fotografin Yilmaz
Neue Mandantin: Fotografin Elif Yilmaz arbeitet freiberuflich. Sie ist nicht im Handelsregister eingetragen. Ihr Umsatz: 45.000 €, Gewinn: 22.000 €.Ist Yilmaz buchführungspflichtig?
Lösung: Nein. Yilmaz ist kein Kaufmann (§ 238 HGB greift nicht), und weder Umsatz noch Gewinn überschreiten die Grenzen des § 141 AO. Sie kann ihren Gewinn per Einnahmen-Überschuss-Rechnung (§ 4 Abs. 3 EStG) ermitteln.
VARIATION B – GRENZFALL (INTERLEAVING)
Variation: Bäckermeister Petersen
Mandant Jens Petersen betreibt eine Bäckerei. Er ist nicht im Handelsregister eingetragen. Umsatz: 850.000 €, Gewinn: 60.000 €.Ist Petersen buchführungspflichtig?
Lösung: Ja – nach § 141 AO (originäre Pflicht), weil sein Umsatz die Grenze von 800.000 € überschreitet. Dass er nicht im Handelsregister steht, ist unerheblich – die steuerrechtliche Pflicht greift unabhängig.
DIDAKTISCHE ANMERKUNG
Variation A zeigt: Nicht jeder muss Buch führen. Variation B zeigt: Auch ohne Handelsregistereintrag kann die Pflicht greifen. Der Lernende muss beide Rechtsgrundlagen (HGB und AO) getrennt prüfen.
SCHRITT 6
Sichern
Lernprinzip: Spaced Practice
ZUSAMMENFASSUNG
Was Sie gelernt haben
1. Kaufleute sind nach § 238 HGB buchführungspflichtig.2. § 140 AO überträgt die handelsrechtliche Pflicht ins Steuerrecht.3. § 141 AO begründet eine eigenständige steuerliche Pflicht ab 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn.4. Die GoB verlangen: Klarheit, Vollständigkeit, Richtigkeit – und keine Buchung ohne Beleg.5. Ohne ordnungsgemäße Buchführung droht Schätzung nach § 162 AO.
SPACING
Wiederholung nach 3 Tagen: „Ab welchem Umsatz greift § 141 AO?“
Wiederholung nach 14 Tagen: Ein neuer Mandantenfall, bei dem die Buchführungspflicht geprüft werden muss.
GAMIFICATION
Badge: „Erste Pflicht“. Fortschritt: 1/4 im Modul 2.1.
Lektion 2.1.2: Inventur, Inventar, Bilanz
Modul
2.1 – Grundlagen des Rechnungswesens
Lektion
2.1.2 – Inventur, Inventar, Bilanz
Ebene
1 – Azubi-Grundlagen
Dauer
20–25 Minuten
Voraussetzungen
Lektion 2.1.1 (Buchführungspflicht, GoB)
Lernziel
Den Weg von der Inventur über das Inventar zur Bilanz verstehen und nachvollziehen
SKR 03
Kontenklassen 0–3 (Bestandskonten) im Überblick
SCHRITT 1
Fall
Lernprinzip: Case-Based Learning
INHALT DES FALLS
Mandantenfall: Tischlermeister Krause (Fortsetzung)
Heinrich Krause hat verstanden, dass er Buch führen muss. Jetzt will er es richtig machen. Sein erster Schritt: Er muss wissen, was er besitzt und was er schuldet.Er fragt Sie: „Wo fange ich an? Ich habe eine Werkstatt voller Maschinen, Material im Lager, Geld auf dem Konto und offene Rechnungen bei meinen Lieferanten. Wie bringe ich da Ordnung rein?“
DIDAKTISCHE ANMERKUNG
Krause taucht aus Lektion 2.1.1 wieder auf – der Lernende kennt ihn bereits. Die Frage ist alltagsnah: Wie verschafft man sich einen Überblick? Die Antwort führt von der Inventur über das Inventar zur Bilanz.
SCHRITT 2
Norm
Lernprinzip: Dual Coding, Elaboration
AUDIO-SEGMENT (NOTEBOOKLM)
Inhaltliche Vorgabe:
Inventur: Körperliche Bestandsaufnahme aller Vermögensgegenstände und Schulden zu einem Stichtag (§ 240 HGB). Arten: Stichtagsinventur, verlegte Inventur, permanente Inventur.
Inventar: Das Ergebnis der Inventur – ein detailliertes Verzeichnis mit Mengen und Werten. Drei Teile: Vermögen (nach Liquidität aufsteigend), Schulden, Reinvermögen (Eigenkapital = Vermögen minus Schulden).
Bilanz: Die verkürzte, verdichtete Form des Inventars. Zwei Seiten: Aktiva (Mittelverwendung – wohin ist das Geld geflossen?) und Passiva (Mittelherkunft – woher stammt das Geld?). Die Bilanzsumme ist auf beiden Seiten gleich.
Dauer: ca. 4 Minuten.
BEGLEITTEXT IN DER APP (KERNREGEL)
Merkregel: Von der Inventur zur Bilanz
Inventur = Zählen, messen, wiegen (Bestandsaufnahme).Inventar = Aufschreiben (detailliertes Verzeichnis).Bilanz = Zusammenfassen (verkürzte Gegenüberstellung).Bilanzgleichung: Aktiva = PassivaOder: Vermögen = Eigenkapital + Fremdkapital
SCHRITT 3
Warum
Lernprinzip: Elaborative Interrogation
Frage 1: Warum reicht das Inventar nicht aus – warum braucht man zusätzlich eine Bilanz?
Erwartete Antwortrichtung: Das Inventar listet jeden einzelnen Gegenstand auf – bei einem Unternehmen mit tausend Positionen wird das unübersichtlich. Die Bilanz fasst gleichartige Positionen zusammen und zeigt auf einen Blick, wie das Unternehmen finanziell dasteht.
Frage 2: Was bedeutet die Bilanzgleichung (Aktiva = Passiva) inhaltlich? Warum müssen beide Seiten gleich sein?
Erwartete Antwortrichtung: Jeder Euro, der im Unternehmen steckt (Aktiva – Mittelverwendung), muss irgendwoher gekommen sein (Passiva – Mittelherkunft). Entweder hat der Unternehmer das Geld selbst eingebracht (Eigenkapital) oder geliehen (Fremdkapital). Es kann nicht mehr verwendet werden, als vorhanden ist.
Frage 3: Warum wird das Vermögen im Inventar nach Liquidität aufsteigend sortiert?
Erwartete Antwortrichtung: Die am wenigsten liquiden Positionen (Grundstücke, Maschinen) stehen oben, die liquidesten (Bankguthaben, Kasse) unten. Das zeigt, wie schnell ein Unternehmen seine Vermögenswerte zu Geld machen könnte – relevant für Gläubiger und für die Beurteilung der Zahlungsfähigkeit.
SCHRITT 4
Anwenden
Lernprinzip: Retrieval Practice
AUFGABE
Krause hat seine Inventur durchgeführt. Hier sind die Ergebnisse:
Maschinen und Werkzeuge: 85.000 €
Holz und Material im Lager: 12.000 €
Forderungen an Kunden: 8.000 €
Bankguthaben (Konto 1200): 15.000 €
Kasse (Konto 1000): 500 €
Bankdarlehen: 40.000 €
Verbindlichkeiten a.L.L. (Konto 1600): 6.500 €
Aufgabe: Erstellen Sie aus diesen Daten eine vereinfachte Bilanz. Berechnen Sie das Eigenkapital.
ERWARTETE LÖSUNG
Bilanz Krause zum 31.12.
AKTIVA:Anlagevermögen: Maschinen und Werkzeuge 85.000 €Umlaufvermögen: Rohstoffe/Material 12.000 € Forderungen 8.000 € Bank (1200) 15.000 € Kasse (1000) 500 €Summe Aktiva: 120.500 €PASSIVA:Eigenkapital: 74.000 €Fremdkapital: Bankdarlehen 40.000 € Verbindlichkeiten a.L.L. (1600) 6.500 €Summe Passiva: 120.500 €Eigenkapital = 120.500 – 40.000 – 6.500 = 74.000 €
UMSETZUNG IN DER APP
Drag-and-Drop: Positionen den Bilanzseiten zuordnen. Betragsfeld für Eigenkapital. 15 Punkte bei korrekter Zuordnung und Berechnung beim ersten Versuch.
SCHRITT 5
Variieren
Lernprinzip: Interleaving, Transfer
VARIATION A – VERÄNDERTE ZAHLEN
Variation: Krause ein Jahr später
Ein Jahr später zeigt die Inventur: Maschinen 80.000 € (Abschreibung), Material 18.000 €, Forderungen 5.000 €, Bank 22.000 €, Kasse 800 €. Bankdarlehen 30.000 € (Tilgung), Verb. a.L.L. 9.800 €.Wie hat sich das Eigenkapital verändert?
Lösung: Aktiva: 125.800 €. Fremdkapital: 39.800 €. Eigenkapital: 86.000 €. Das Eigenkapital ist von 74.000 auf 86.000 € gestiegen – Krause hat Gewinn gemacht.
VARIATION B – NEGATIVES EIGENKAPITAL (INTERLEAVING)
Variation: Gastronom Weber
Neuer Mandant: Gastwirt Markus Weber. Inventur: Einrichtung 30.000 €, Warenbestand 4.000 €, Bank 2.000 €, Kasse 500 €. Bankdarlehen 55.000 €, Verb. a.L.L. 8.000 €.Erstellen Sie die Bilanz. Was fällt auf?
Lösung: Aktiva: 36.500 €. Fremdkapital: 63.000 €. Eigenkapital: –36.500 € – das Eigenkapital ist negativ. Weber ist rechnerisch überschuldet. Das ist ein Signal für die Kanzlei: Hier besteht möglicherweise Handlungsbedarf.
DIDAKTISCHE ANMERKUNG
Variation A testet die Berechnung mit neuen Zahlen und führt den Zusammenhang Eigenkapitalveränderung = Gewinn/Verlust ein. Variation B erzeugt Irritation: Eigenkapital kann negativ sein. Das bereitet auf Themen wie Überschuldung vor, die später relevant werden.
SCHRITT 6
Sichern
Lernprinzip: Spaced Practice
ZUSAMMENFASSUNG
Was Sie gelernt haben
1. Inventur = körperliche Bestandsaufnahme aller Vermögenswerte und Schulden.2. Inventar = detailliertes Verzeichnis, gegliedert in Vermögen, Schulden, Reinvermögen.3. Bilanz = verkürzte Gegenüberstellung von Aktiva und Passiva.4. Bilanzgleichung: Aktiva = Passiva (Vermögen = Eigenkapital + Fremdkapital).5. Eigenkapital = Vermögen minus Schulden. Kann auch negativ sein.
SPACING
Wiederholung nach 3 Tagen: „Wie lautet die Bilanzgleichung?“
Wiederholung nach 14 Tagen: Eine neue Inventurliste, aus der eine Bilanz erstellt werden muss.
GAMIFICATION
Badge: „Bilanz-Grundlage“. Fortschritt: 2/4 im Modul 2.1.
Lektion 2.1.3: Die vier Bilanzveränderungen
Modul
2.1 – Grundlagen des Rechnungswesens
Lektion
2.1.3 – Die vier Bilanzveränderungen
Ebene
1 – Azubi-Grundlagen
Dauer
20–25 Minuten
Voraussetzungen
Lektion 2.1.2 (Bilanzaufbau, Bilanzgleichung)
Lernziel
Die vier Typen von Bilanzveränderungen erkennen und zuordnen können
SKR 03
1000 Kasse, 1200 Bank, 1600 Verb. a.L.L., 0800 BGA
SCHRITT 1
Fall
Lernprinzip: Case-Based Learning
INHALT DES FALLS
Mandantenfall: Tischlermeister Krause (Fortsetzung)
Krause hat jetzt eine Bilanz. Am nächsten Tag passieren vier Dinge:1. Er hebt 2.000 € vom Geschäftskonto ab und legt sie in die Kasse.2. Er überweist 3.000 € an seinen Holzlieferanten für eine offene Rechnung.3. Er kauft eine neue Säge für 4.000 € auf Rechnung.4. Er tilgt 5.000 € seines Bankdarlehens per Überweisung.Sie sollen prüfen: Wie verändert sich die Bilanz bei jedem dieser Vorgänge?
DIDAKTISCHE ANMERKUNG
Vier Geschäftsvorfälle, vier Bilanzveränderungstypen. Alle am selben Tag, beim selben Mandanten. Der Lernende erkennt: Jeder Vorgang verändert die Bilanz, aber auf unterschiedliche Weise.
SCHRITT 2
Norm
Lernprinzip: Dual Coding, Elaboration
AUDIO-SEGMENT (NOTEBOOKLM)
Inhaltliche Vorgabe:
Jeder Geschäftsvorfall verändert mindestens zwei Bilanzpositionen. Vier Typen sind möglich.
Aktivtausch: Zwei Aktivposten verändern sich. Einer steigt, einer sinkt. Bilanzsumme bleibt gleich. Beispiel: Barabhebung – Bank sinkt, Kasse steigt.
Passivtausch: Zwei Passivposten verändern sich. Einer steigt, einer sinkt. Bilanzsumme bleibt gleich. Beispiel: Umschuldung – kurzfristiges Darlehen wird durch langfristiges ersetzt.
Aktiv-Passiv-Mehrung (Bilanzverlängerung): Ein Aktivposten und ein Passivposten steigen. Bilanzsumme steigt. Beispiel: Kauf auf Rechnung – Maschine steigt, Verbindlichkeit steigt.
Aktiv-Passiv-Minderung (Bilanzkürzung): Ein Aktivposten und ein Passivposten sinken. Bilanzsumme sinkt. Beispiel: Tilgung eines Darlehens per Überweisung – Bank sinkt, Darlehen sinkt.
Dauer: ca. 4 Minuten.
BEGLEITTEXT IN DER APP (KERNREGEL)
Merkregel: Vier Bilanzveränderungen
Aktivtausch: Aktiva ↑ / Aktiva ↓ → Bilanzsumme gleich.Passivtausch: Passiva ↑ / Passiva ↓ → Bilanzsumme gleich.A/P-Mehrung: Aktiva ↑ / Passiva ↑ → Bilanzsumme steigt.A/P-Minderung: Aktiva ↓ / Passiva ↓ → Bilanzsumme sinkt.Prüfschema: Welche Bilanzseite ist betroffen? Steigt oder sinkt die Bilanzsumme?
SCHRITT 3
Warum
Lernprinzip: Elaborative Interrogation
Frage 1: Warum bleibt die Bilanzsumme bei einem Aktivtausch gleich?
Erwartete Antwortrichtung: Weil sich nur die Zusammensetzung der Aktivseite ändert, nicht ihre Höhe. Was auf einem Konto abgeht, kommt auf einem anderen Konto dazu. Die Passivseite wird nicht berührt.
Frage 2: Warum steigt die Bilanzsumme bei einem Kauf auf Rechnung?
Erwartete Antwortrichtung: Weil das Unternehmen etwas Neues besitzt (Maschine – Aktiva steigen) und gleichzeitig eine neue Schuld hat (Verbindlichkeit – Passiva steigen). Beide Seiten wachsen um denselben Betrag.
Frage 3: Gibt es Geschäftsvorfälle, die nur eine Bilanzseite betreffen? Oder immer beide?
Erwartete Antwortrichtung: Es gibt Vorfälle, die nur eine Seite betreffen (Aktivtausch, Passivtausch) und solche, die beide Seiten betreffen (Mehrung, Minderung). Aber immer sind mindestens zwei Positionen beteiligt – sonst stimmt die Bilanzgleichung nicht mehr.
SCHRITT 4
Anwenden
Lernprinzip: Retrieval Practice
AUFGABE
Ordnen Sie die vier Geschäftsvorfälle von Krause dem richtigen Bilanzveränderungstyp zu:
Barabhebung: 2.000 € von Konto 1200 Bank in Konto 1000 Kasse.
Überweisung an Lieferant: 3.000 € von Konto 1200 Bank, Konto 1600 Verb. a.L.L. sinkt.
Kauf einer Säge auf Rechnung: 4.000 € – Konto 0800 BGA steigt, Konto 1600 Verb. a.L.L. steigt.
Darlehenstilgung: 5.000 € von Konto 1200 Bank, Bankdarlehen sinkt.
ERWARTETE LÖSUNG
Lösung
1. Barabhebung: Aktivtausch (Bank sinkt, Kasse steigt – Bilanzsumme gleich).2. Lieferant bezahlen: Aktiv-Passiv-Minderung (Bank sinkt, Verb. a.L.L. sinkt – Bilanzsumme sinkt).3. Säge auf Rechnung: Aktiv-Passiv-Mehrung (BGA steigt, Verb. a.L.L. steigt – Bilanzsumme steigt).4. Darlehenstilgung: Aktiv-Passiv-Minderung (Bank sinkt, Darlehen sinkt – Bilanzsumme sinkt).
UMSETZUNG IN DER APP
Zuordnungsaufgabe: Vier Geschäftsvorfälle per Drag-and-Drop den vier Bilanzveränderungstypen zuordnen. 15 Punkte bei vollständig korrekter Zuordnung beim ersten Versuch.
SCHRITT 5
Variieren
Lernprinzip: Interleaving, Transfer
VARIATION A – NEUER VORFALL ZUORDNEN
Variation: Mandantin Schmitz
Steuerberaterin Eva Schmitz kauft einen neuen Laptop für 1.800 € und bezahlt sofort per Überweisung von Konto 1200 Bank.Welcher Bilanzveränderungstyp liegt vor?
Lösung: Aktivtausch. Bank (Konto 1200) sinkt, BGA (Konto 0800) steigt. Die Bilanzsumme bleibt gleich – es wird nur Geld gegen einen Gegenstand getauscht.
VARIATION B – PASSIVTAUSCH (INTERLEAVING)
Variation: Bäckermeister Petersen
Petersen hat ein kurzfristiges Darlehen über 20.000 € bei seiner Hausbank. Die Bank bietet an, es in ein langfristiges Darlehen umzuwandeln.Welcher Bilanzveränderungstyp liegt vor? Was fällt Ihnen auf?
Lösung: Passivtausch. Das kurzfristige Darlehen sinkt, das langfristige steigt. Die Bilanzsumme bleibt gleich. Auffällig: Es fließt kein Geld – nur die Passivseite wird umstrukturiert.
DIDAKTISCHE ANMERKUNG
Variation A festigt die Zuordnung. Variation B bringt den seltenen Passivtausch – im Alltag der häufigste Stolperstein, weil Azubis ihn selten sehen.
SCHRITT 6
Sichern
Lernprinzip: Spaced Practice
ZUSAMMENFASSUNG
Was Sie gelernt haben
1. Jeder Geschäftsvorfall verändert mindestens zwei Bilanzpositionen.2. Aktivtausch: Nur die Aktivseite – Bilanzsumme bleibt gleich.3. Passivtausch: Nur die Passivseite – Bilanzsumme bleibt gleich.4. A/P-Mehrung: Beide Seiten wachsen – Bilanzsumme steigt.5. A/P-Minderung: Beide Seiten schrumpfen – Bilanzsumme sinkt.
SPACING
Wiederholung nach 3 Tagen: „Ein Mandant kauft Waren auf Rechnung. Welcher Bilanzveränderungstyp?“
Wiederholung nach 14 Tagen: Vier neue Geschäftsvorfälle zuordnen.
GAMIFICATION
Badge: „Bilanz in Bewegung“. Fortschritt: 3/4 im Modul 2.1.
Lektion 2.1.4: Der Kontenrahmen SKR 03
Modul
2.1 – Grundlagen des Rechnungswesens
Lektion
2.1.4 – Der Kontenrahmen SKR 03
Ebene
1 – Azubi-Grundlagen
Dauer
15–20 Minuten
Voraussetzungen
Lektion 2.1.3 (Bilanzveränderungen, Unterscheidung Aktiva/Passiva)
Lernziel
Den Aufbau des SKR 03 verstehen, Kontenklassen zuordnen, Kontonummern lesen können
SKR 03
Alle Kontenklassen 0–9 im Überblick
SCHRITT 1
Fall
Lernprinzip: Case-Based Learning
INHALT DES FALLS
Mandantenfall: Tischlermeister Krause (Fortsetzung)
Krause sitzt zum ersten Mal neben Ihnen am Bildschirm, während Sie in DATEV eine Buchung für ihn erfassen. Er sieht Kontonummern: 1200, 3400, 1600.Er fragt: „Was bedeuten diese Nummern? Gibt es da ein System?“Sie erklären ihm den Kontenrahmen.
DIDAKTISCHE ANMERKUNG
Der Fall verbindet die theoretische Bilanzwelt mit der DATEV-Praxis. Kontonummern sind für Azubis anfangs kryptisch – der Kontenrahmen gibt ihnen eine Logik.
SCHRITT 2
Norm
Lernprinzip: Dual Coding, Elaboration
AUDIO-SEGMENT (NOTEBOOKLM)
Inhaltliche Vorgabe:
Der SKR 03 ist der Standardkontenrahmen der DATEV, aufgebaut nach dem Prozessgliederungsprinzip – also nach dem typischen Geschäftsablauf.
Kontonummern sind vierstellig. Die erste Ziffer gibt die Kontenklasse an.
Kontenklassen 0–3: Bestandskonten (0 und 1 = Aktivkonten, 2 und 3 = Passivkonten, wobei 3 im SKR 03 auch Wareneinkäufe umfasst).
Kontenklassen 4–7: Erfolgskonten (4 = betriebliche Aufwendungen, 8 = Erlöse – Klasse 8 gehört auch zu den Erfolgskonten).
Kontenklasse 9: Vortrags- und statistische Konten.
Beispiele: 0800 = Betriebs- und Geschäftsausstattung (Klasse 0 = Anlagevermögen), 1200 = Bank (Klasse 1 = Umlaufvermögen/Finanzen), 1600 = Verbindlichkeiten a.L.L. (Klasse 1, Passivbereich), 3400 = Wareneingang (Klasse 3), 4210 = Miete (Klasse 4 = Aufwand), 8400 = Erlöse 19% USt (Klasse 8 = Ertrag).
Dauer: ca. 3–4 Minuten.
BEGLEITTEXT IN DER APP (KERNREGEL)
Merkregel: SKR 03 lesen
Erste Ziffer = Kontenklasse:0 = Anlagevermögen (Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude)1 = Umlaufvermögen, Finanzen, Verbindlichkeiten2 = Eigenkapital, Rückstellungen3 = Wareneingang, Roh-/Hilfs-/Betriebsstoffe4 = Betriebliche Aufwendungen5–6 = Weitere Aufwendungen7 = Abgrenzung8 = Erlöse9 = Vortrags- und statistische KontenFaustregel: Klasse 0–3 = Bilanz (Bestandskonten), Klasse 4–8 = GuV (Erfolgskonten).
SCHRITT 3
Warum
Lernprinzip: Elaborative Interrogation
Frage 1: Warum ist es sinnvoll, dass die Kontonummer mit der Kontenklasse beginnt? Was wäre, wenn Kontonummern zufällig vergeben würden?
Erwartete Antwortrichtung: Die erste Ziffer zeigt sofort, in welchen Bereich ein Konto gehört. Wenn Sie „1200“ sehen, wissen Sie: Klasse 1, also Finanzkonto. Bei zufälliger Vergabe müsste man jede Nummer nachschlagen – das wäre bei hunderten Buchungen pro Tag nicht praktikabel.
Frage 2: Konto 1600 heißt Verbindlichkeiten a.L.L. – das steht auf der Passivseite. Aber die Kontenklasse 1 enthält auch Konto 1200 Bank – das ist ein Aktivkonto. Warum sind Aktiv- und Passivkonten in derselben Klasse?
Erwartete Antwortrichtung: Der SKR 03 folgt dem Prozessgliederungsprinzip, nicht der Bilanzgliederung. Klasse 1 fasst alles zusammen, was mit Finanzen und kurzfristigen Forderungen/Verbindlichkeiten zu tun hat – unabhängig von der Bilanzseite. Das ist ein Unterschied zum SKR 04, der strikt nach Bilanzgliederung ordnet.
SCHRITT 4
Anwenden
Lernprinzip: Retrieval Practice
AUFGABE
Ordnen Sie folgende Konten der richtigen Kategorie zu:
Konto 0520 – Pkw
Konto 1000 – Kasse
Konto 1600 – Verbindlichkeiten a.L.L.
Konto 3400 – Wareneingang
Konto 4210 – Miete
Konto 8400 – Erlöse 19% USt
Kategorien: Aktivkonto (Bestand) / Passivkonto (Bestand) / Aufwandskonto (Erfolg) / Ertragskonto (Erfolg)
ERWARTETE LÖSUNG
Lösung
0520 Pkw = Aktivkonto (Anlagevermögen, Klasse 0)1000 Kasse = Aktivkonto (Umlaufvermögen, Klasse 1)1600 Verb. a.L.L. = Passivkonto (Fremdkapital, Klasse 1)3400 Wareneingang = Aufwandskonto (Klasse 3 – Wareneinsatz)4210 Miete = Aufwandskonto (Klasse 4 – betrieblicher Aufwand)8400 Erlöse 19% USt = Ertragskonto (Klasse 8 – Umsatzerlöse)
UMSETZUNG IN DER APP
Drag-and-Drop: Sechs Konten in vier Kategorien einordnen. 15 Punkte bei vollständig richtiger Zuordnung beim ersten Versuch.
SCHRITT 5
Variieren
Lernprinzip: Interleaving, Transfer
VARIATION A – KONTONUMMER ENTSCHLÜSSELN
Variation: Unbekannte Konten
In der Buchführung eines Mandanten tauchen folgende Konten auf, die Sie noch nicht kennen:Konto 0640, Konto 2100, Konto 4930, Konto 8300.Sie wissen nicht, wie die Konten heißen. Aber Sie können anhand der ersten Ziffer etwas über sie sagen. Was?
Lösung: 0640 = Klasse 0 = Anlagevermögen (Aktivkonto). 2100 = Klasse 2 = Eigenkapital/Rückstellungen (Passivkonto). 4930 = Klasse 4 = betrieblicher Aufwand (Erfolgskonto). 8300 = Klasse 8 = Erlöse (Erfolgskonto). Konkreter: 0640 = Geringwertige Wirtschaftsgüter, 2100 = Gezeichnetes Kapital, 4930 = Bürobedarf, 8300 = Erlöse 7% USt.
VARIATION B – VERWECHSLUNGSGEFAHR (INTERLEAVING)
Variation: Konto 3400 – Bestands- oder Erfolgskonto?
Konto 3400 Wareneingang gehört zur Klasse 3. Klasse 0–3 sind eigentlich Bestandskonten. Trotzdem ist Konto 3400 ein Aufwandskonto.Warum? Und was bedeutet das für die Buchungslogik?
Lösung: Konto 3400 ist eine Besonderheit im SKR 03. Der Wareneingang erhöht den Aufwand (Wareneinsatz), nicht den Warenbestand. Er wird deshalb als Erfolgskonto behandelt: Zugänge im Soll, Abschluss über die GuV. Die Faustregel „Klasse 0–3 = Bestandskonten“ hat hier eine Ausnahme.
DIDAKTISCHE ANMERKUNG
Variation A trainiert das Lesen von Kontonummern ohne Kontenbezeichnung – eine Fertigkeit, die in DATEV täglich gebraucht wird. Variation B bricht bewusst die eben gelernte Faustregel und bereitet auf die Komplexität des realen Kontenrahmens vor.
SCHRITT 6
Sichern
Lernprinzip: Spaced Practice
ZUSAMMENFASSUNG
Was Sie gelernt haben
1. Der SKR 03 ist nach dem Prozessgliederungsprinzip aufgebaut.2. Die erste Ziffer der Kontonummer zeigt die Kontenklasse.3. Klasse 0–3: überwiegend Bestandskonten (Bilanz). Klasse 4–8: Erfolgskonten (GuV).4. Klasse 1 enthält sowohl Aktiv- als auch Passivkonten (z.B. 1200 Bank vs. 1600 Verb. a.L.L.).5. Konto 3400 Wareneingang ist trotz Klasse 3 ein Erfolgskonto – eine wichtige Ausnahme.
SPACING
Wiederholung nach 3 Tagen: „Zu welcher Kontenklasse gehört Konto 4210? Ist es ein Bestands- oder Erfolgskonto?“
Wiederholung nach 14 Tagen: Zehn Kontonummern ohne Bezeichnung den Kategorien zuordnen.
GAMIFICATION
Badge: „Kontenrahmen-Lotse“. Fortschritt: 4/4 im Modul 2.1. Modul abgeschlossen.