Was ist das Plug-in-Scheme?

Das Plug-in-Scheme ist ein Pilotverfahren, mit dem Unternehmen aus zertifizierten nationalen oder regionalen Förderprogrammen direkten Zugang zur zweiten Stufe des EIC Accelerator erhalten. Die erste Stufe, die kurze Bewerbung, entfällt. Der Ablauf ist dabei umgekehrt zur normalen Bewerbung: Nicht das Unternehmen bewirbt sich direkt beim EIC, sondern die nationale Förderstelle führt eine Projektprüfung nach Kriterien durch, die denen der ersten Accelerator-Stufe entsprechen, und entscheidet, welche Unternehmen sie zur ausführlichen Bewerbung einreicht.

Welche deutschen Programme sind zertifiziert?

Aus Deutschland sind fünf Programme für das Plug-in zertifiziert:

SPRIND, die Agentur für Sprunginnovationen,

KMU-innovativ,

EXIST-Forschungstransfer,

Helmholtz Enterprise,

Fraunhofer AHEAD.

Das ZIM gehört nicht dazu. Ein ZIM-Projekt eröffnet also nicht automatisch den Plug-in-Zugang, ein Projekt aus KMU-innovativ dagegen schon. Die Liste der zertifizierten Programme wird fortgeschrieben, weshalb sich vor einer Planung ein aktueller Blick lohnt.

Verschafft das Plug-in einen Bewertungsvorteil?

Nein. Die über das Plug-in eingereichten ausführlichen Bewerbungen werden genauso behandelt wie alle anderen, und die Gutachter erfahren nicht, dass eine Bewerbung über das Plug-in kam. Der Vorteil liegt allein darin, die erste Stufe zu überspringen. Das spart Zeit und die Konkurrenz dieser ersten Stufe, ändert aber nichts an der eigentlichen Hürde: Die ausführliche Bewerbung und das Jury-Interview müssen aus eigener Kraft überzeugen.

Was ist der Unterschied zum Fast Track?

Plug-in und Fast Track funktionieren gleich, unterscheiden sich aber in der Herkunft des Projekts. Das Plug-in betrifft Projekte aus zertifizierten nationalen oder regionalen Programmen. Der Fast Track betrifft Projekte aus dem EU-Rahmenprogramm selbst, also etwa aus einem Pathfinder- oder Transition-Projekt, einem Proof of Concept des Europäischen Forschungsrats oder einem Eurostars-Vorhaben. In beiden Fällen ist das Ergebnis dasselbe: der direkte Einstieg in die zweite Stufe des Accelerator.

Wie sieht eine sinnvolle Förder-Sequenz aus?

Die EIC-Instrumente und die nationale Förderung lassen sich zu einer Abfolge entlang der Reifegrade verbinden. Innerhalb des EIC führt der Weg von Pathfinder über Transition zum Accelerator, also von der frühen Forschung bis zur Marktreife. Ebenso kann ein nationales Programm den Vorlauf bilden: Ein über KMU-innovativ gefördertes Vorhaben kann später über das Plug-in den Einstieg in den Accelerator finden. Wichtig ist, dass es sich um aufeinander aufbauende Phasen desselben Entwicklungspfades handelt, nicht um eine Doppelförderung derselben Arbeit.

Was ist bei der Kumulierung zu beachten?

Sobald mehrere Förderungen zusammentreffen, gilt das Verbot der Doppelförderung derselben Kosten. Werden Horizon-Mittel und eine nationale Beihilfe für dieselben förderfähigen Kosten kombiniert, zählt für die beihilferechtlichen Höchstgrenzen nur die nationale Beihilfe. Dieselbe Arbeit zweimal zu fördern, ist dagegen unzulässig. Eine Sequenz, bei der verschiedene Phasen oder voneinander abgegrenzte Arbeitspakete nacheinander gefördert werden, ist möglich; entscheidend ist die saubere Abgrenzung der Kosten. Trifft eine Förderung mit der Forschungszulage zusammen, ist eine strikte Trennung der Personalstunden erforderlich, die wir an anderer Stelle behandeln.

Häufige Fragen

Was bringt das Plug-in-Scheme konkret?

Es erlaubt den direkten Einstieg in die zweite Stufe des Accelerator und erspart die erste Stufe. Einen Bewertungsvorteil in der zweiten Stufe gibt es nicht.

Ist mein ZIM-Projekt plug-in-fähig?

Nein. Das ZIM ist nicht zertifiziert. Aus Deutschland zählt unter anderem KMU-innovativ zu den zertifizierten Programmen.

Bewerbe ich mich selbst ��ber das Plug-in?

Nein. Die zuständige nationale Förderstelle führt die Projektprüfung durch und entscheidet, welche Unternehmen sie einreicht.

Worin unterscheidet sich der Fast Track?

Der Fast Track betrifft Projekte aus dem EU-Rahmenprogramm selbst, etwa aus Pathfinder, Transition oder einem Proof of Concept. Das Plug-in betrifft zertifizierte nationale oder regionale Programme.

Darf ich national und über den EIC für dasselbe Vorhaben gefördert werden?

Nicht für dieselben Kosten. Aufeinander aufbauende Phasen sind möglich, wenn die Kosten sauber getrennt sind.

Unsere fachliche Einschätzung

Das Plug-in ist ein nützlicher Abkürzungsweg, aber kein Erfolgsgarant; es verkürzt das Verfahren, nimmt einem aber die eigentliche Arbeit der zweiten Stufe nicht ab. Aus unserer Sicht entfaltet es seinen Wert vor allem als Teil einer durchdachten Sequenz: Wer ein Vorhaben von der nationalen Förderung über die Reifegrade bis zum EIC plant, sollte den Plug-in-fähigen Einstieg von Anfang an mitdenken und das passende nationale Programm wählen, also etwa KMU-innovativ statt eines nicht zertifizierten Programms, wenn der spätere Accelerator-Zugang ein Ziel ist. Die zweite, oft unterschätzte Aufgabe ist die saubere Kostenabgrenzung über die Sequenz hinweg, denn jede Phase muss klar von der nächsten getrennt sein, damit aus einer Abfolge keine unzulässige Doppelförderung wird. Diese Abgrenzung ist weniger eine fachlich-technische als eine zahlenbezogene Aufgabe und gehört früh in die Planung.

Konkrete Handlungsschritte

Prüfen Sie, ob Ihr nationales Programm für das Plug-in zertifiziert ist, und beachten Sie, dass das ZIM es nicht ist.

Wählen Sie das nationale Programm bewusst, wenn der spätere Accelerator-Zugang über das Plug-in ein Ziel ist.

Planen Sie die Förder-Sequenz entlang der Reifegrade, von der nationalen Förderung bis zum EIC.

Grenzen Sie die Kosten der einzelnen Phasen sauber voneinander ab, um Doppelförderung zu vermeiden.

Klären Sie die Trennung der Personalstunden, wenn zusätzlich die Forschungszulage genutzt wird.

Rechtsstand: Juni 2026.

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