Was bedeutet „assoziiertes Land“?

Ein assoziiertes Land ist ein Staat außerhalb der EU, der ein Assoziierungsabkommen mit der Union geschlossen hat. Unternehmen und Einrichtungen aus diesen Ländern können an Horizon Europe zu denselben Bedingungen teilnehmen wie solche aus EU-Mitgliedstaaten, und sie können in gleicher Weise Förderung erhalten. Davon zu unterscheiden sind nicht-assoziierte Drittstaaten: Deren Einrichtungen dürfen in einem Konsortium mitwirken, bekommen ihre Kosten aber in der Regel nicht aus EU-Mitteln gefördert.

Welcher Status gilt für welches Land?

Die folgende Übersicht zeigt die für den EIC wichtigen Fälle.

Land oder Gruppe

Status

Folge für den EIC

EU-Mitgliedstaaten

volle Teilnahme

volle Förderung einschließlich EIC Fund

Vereinigtes Königreich

assoziiert, außer EIC Fund

Accelerator nur „grant only“, keine Beteiligung

Schweiz

assoziiert (ab 2025)

volle Teilnahme einschließlich EIC Accelerator

Kanada, Neuseeland

nur zum zweiten Pfeiler assoziiert

kein Zugang zum EIC

Nicht-assoziierte Staaten (z. B. USA, China)

Teilnahme als Partner möglich

keine EU-Förderung; Accelerator erfordert Sitzverlagerung

Was gilt für das Vereinigte Königreich?

Das Vereinigte Königreich ist seit Anfang 2024 zum gesamten Programm assoziiert, mit einer einzigen Ausnahme: Der EIC Fund, also die Eigenkapitalkomponente des Accelerator, ist ausgenommen. Britische Unternehmen können daher an allen Teilen von Horizon Europe teilnehmen und im Accelerator den Zuschuss beantragen, nicht aber die Beteiligung. Für ein britisches Unternehmen bleibt im Accelerator also nur die Förderform „grant only“. In Pathfinder, Transition und den übrigen Programmteilen besteht keine solche Einschränkung.

Was gilt für die Schweiz?

Die Schweiz war über mehrere Jahre nicht assoziiert und ist seit 2025 wieder vollständig dabei. Schweizer Unternehmen und Einrichtungen können sich seither wieder an nahezu allen Ausschreibungen beteiligen, einschließlich des EIC Accelerator. Damit ist die Schweiz für ein international vernetztes Vorhaben wieder ein vollwertiger Partner mit Förderzugang.

Was ist mit Kanada und Neuseeland?

Hier ist Vorsicht geboten. Kanada und Neuseeland sind nicht zum gesamten Programm assoziiert, sondern nur zum zweiten Pfeiler, also den thematischen Verbundprojekten zu globalen Herausforderungen. Der EIC gehört zum dritten Pfeiler. Eine Assoziierung allein zum zweiten Pfeiler eröffnet deshalb keinen Förderzugang zum EIC. Ein kanadischer oder neuseeländischer Partner kann in einem EIC-Vorhaben also nicht wie ein assoziierter Partner gefördert werden, obwohl das Land in anderem Zusammenhang assoziiert ist.

Können Partner aus den USA oder China mitwirken?

Mitwirken ja, gefördert werden nein. Einrichtungen aus nicht-assoziierten Drittstaaten wie den USA oder China können in einem Konsortium als Partner beteiligt sein, ihre Kosten werden aber grundsätzlich nicht aus EU-Mitteln getragen. Beim Accelerator, der ein Einzelinstrument für ein Unternehmen ist, gilt zudem eine besondere Regel: Ein Antragsteller aus einem Drittstaat muss seinen Sitz vor der zweiten Stufe in einen förderfähigen Mitgliedstaat oder ein assoziiertes Land verlagern.

Worauf kommt es für ein international vernetztes Start-up an?

Entscheidend ist, welche Einheit den Antrag stellt und wo sie ihren Sitz hat. Bei einem Konsortium hängt die Förderfähigkeit jedes Partners von dessen Sitzland ab, und beim Accelerator entscheidet der Sitz des antragstellenden Unternehmens. Wer mit Partnern in mehreren Ländern arbeitet, sollte die Sitzfrage früh klären und den jeweiligen Assoziierungsstatus prüfen, weil er die Förderfähigkeit und beim Accelerator den Zugang zur Beteiligung bestimmt. Der Status einzelner Länder kann sich zudem ändern, weshalb sich vor jedem Antrag ein Blick in die laufend aktualisierte Liste der teilnehmenden Länder lohnt.

Häufige Fragen

Was unterscheidet ein assoziiertes von einem nicht-assoziierten Land?

Einrichtungen aus assoziierten Ländern werden zu gleichen Bedingungen wie EU-Einrichtungen gefördert. Aus nicht-assoziierten Ländern ist die Teilnahme möglich, aber ohne EU-Förderung.

Kann ein britisches Unternehmen den EIC Accelerator nutzen?

Ja, aber nur die Förderform „grant only“. Der EIC Fund und damit die Beteiligung ist für das Vereinigte Königreich ausgenommen.

Ist die Schweiz wieder voll dabei?

Ja. Seit 2025 ist die Schweiz wieder assoziiert und kann am EIC einschließlich des Accelerator teilnehmen.

Warum kommt Kanada nicht für den EIC infrage?

Kanada ist nur zum zweiten Pfeiler assoziiert. Der EIC gehört zum dritten Pfeiler, der davon nicht erfasst ist.

Kann ein US-Partner Fördermittel erhalten?

In der Regel nicht. Ein US-Partner kann im Konsortium mitwirken, seine Kosten werden aber nicht aus EU-Mitteln gefördert.

Unsere fachliche Einschätzung

Der Assoziierungsstatus ist eine der ersten Weichen, die ein international aufgestelltes Vorhaben stellen muss, und er wird leicht unterschätzt. Aus unserer Sicht sind drei Punkte besonders fehleranfällig. Erstens die britische Sonderregel beim EIC Fund: Wer auf die Beteiligung des Accelerator setzt, kann dies mit einer britischen Einheit nicht. Zweitens die Teilassoziierung von Kanada und Neuseeland, die nur den zweiten Pfeiler abdeckt und für den EIC nicht trägt. Drittens die Sitzfrage beim Accelerator, die über den Förderzugang entscheidet und sich nicht kurzfristig vor der zweiten Stufe lösen lässt. Wer die Konsortialstruktur und die Sitzverhältnisse früh am Assoziierungsstatus ausrichtet, vermeidet teure Korrekturen im laufenden Verfahren.

Konkrete Handlungsschritte

Klären Sie früh, welche Einheit den Antrag stellt und in welchem Land sie ihren Sitz hat.

Prüfen Sie für jeden Konsortialpartner den Assoziierungsstatus seines Sitzlandes.

Beachten Sie bei britischen Einheiten die Ausnahme beim EIC Fund, die die Beteiligung ausschließt.

Behandeln Sie Partner aus nur teilassoziierten Ländern wie Kanada beim EIC wie nicht-assoziierte.

Prüfen Sie vor jedem Antrag die aktuelle Liste der teilnehmenden Länder, da sich der Status ändern kann.

Rechtsstand: Juni 2026.

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